 |  | Die großen Wände |  |  | Er ist schon mit sechzehn die Wand hinauf gegangen. Reinhold Messner durchstieg die Nordwand des Sass Rigais 1960 in einer Zweierseilschaft, zusammen hatten sie aber nur einen Helm und ein geschenktes Hanfseil. Das Erlebnis prägte und trieb ihn von den heimatlichen Dolomiten in die schwersten und höchsten Wände dieses Globus: Rupal-Wand am Nanga Parbat, wo er seinen Bruder Günther durch eine Lawine verlor, Lhotse-Südwand, an der er scheiterte, Makalu-Westwand und Diamir-Flanke, die nach ihm keiner mehr wagte.
Reinhold Messner ist Spezialist an den "Grossen Wänden" und dies in doppelter Hinsicht. Als Bergsteiger hat er die meisten von ihnen durchstiegen oder sie zumindest in Augenschein genommen, als Chronist kennt er ihre Geschichte, weiß um die Tragödien und Triumphe und hat vielen der Erstbegeher die Hand gedrückt. Herausgekommen ist ein reich illustrierter Prachtband, der am Beispiel der großen Wände der Alpen, des Himalaya und des Karakorum Alpingeschichte erzählt. Gleichzeitig ist es eine Enzyklopädie des Extrembergsteigens mit Kurzcharakteristiken aller wichtigen Wände auf dieser weiten Welt. Wie diese "by fair means" anzugehen sind, läßt Messner keine Zweifel, auch nicht darüber, dass überall noch bergsteigerische Herausforderungen locken, wenn man nur bereit ist, sie anzunehmen, statt "gipfelsiegbesessen" den ausgetretenen Spuren seiner Vorgänger zu folgen. Wem die Augen durch zuviel Lektüre tränen, kann sich der beiliegenden CD bedienen. Messner höchstpersönlich erklärt, wie es ihm in dreizehn Wänden, vom Eiger bis zur Dhaulagiri-Südwand erging. Der letzte Barde erzählt so gut, dass die Eiswürfel im Whisky unbemerkt schmelzen und der Weißwein warm wird.
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